stormbringer Juni 2015 über Deathtiny:

"In Creeps Clothing" heißt das neue Album der Süddeutschen DEATHTINY. Nach eigenen Angaben ist ihr Stil Melodic Dark Metal. Ich hätte es ohne das Lesen dieser Angabe eher unter Gothic Metal eingeordnet, denn wirkliche stilistische Unterschiede finden sich nicht. Man muss DEATHTINY nur zugestehen, dass sie teilweise dynamischer zu Werke schreiten als manche Genre-Kollegen und heavy Riffing in ihrer Musik einen höheren Stellenwert hat als symphonische Keyboardelemente.

Im Grunde machen DEATHTINY ihre Sache auch nicht schlecht. Es werden viele Emotionen verarbeitet und der Zugang zu den Kompositionen ist nicht immer ganz einfach, sondern fordert des Hörers Aufmerksamkeit. Der Sound ist oft aufwühlend, wofür das altbekannte Wechselspiel zwischen positiven und negativen Gefühlsregungen sorgt, das musikalisch auch gut umgesetzt wird. Der Einsatz von weiblichen Lead-Vocals im Kontrast mit harschem Gesang forciert diese Eindrücke. Gelegentliche Duette ergänzen das Gesangsspektrum und bringen ebenfalls interessante Aspekte ein. Es gibt aber auch die Aber-Seite. Zum einen wird Julia Manns Organ gerade in höheren Lagen für meinen Geschmack etwas zu penetrant. Oder es ist zu sehr in den Vordergrund gemischt. Dann ist das Werk mit seinen zwölf Songs, die sich über 62 Minuten erstrecken eindeutig zu ausdauernd. Denn es fehlt im Songwriting noch etwas an Abwechslung – insbesondere das angesprochene Riffing wiederholt sich zu oft – und so entstehen ungewollte Längen und damit teilweise auch etwas Langeweile. Letztendlich halten sich Licht und Schatten auf "In Creeps Clothing" so ein bisschen die Waage, was eigentlich etwas schade ist. Denn gerade Stücke wie "Dead World" oder "Back Into Earth" und mit Abstrichen sogar der Longtrack "Pain" machen Spaß und zeigen das Potential der Truppe.

Unterm Strich müssen DEATHTINY sicherlich noch an manchen Dingen arbeiten, aber auf "In Creeps Clothing" können sie aufbauen. Und wer den Gothic oder Dark Metal durchaus etwas dynamischer mag, sollte ruhig auch mal reinhören.

Wertung: 3.0 von 5.0
Autor: Django (08. Juni 2015)