humblemetal Mai 2015 über Hydra:

Diese Hydra hat nicht 2 oder 3 sondern gleich 6 Köpfe – und alle davon richtig heavy metal, wie sich beim Hören herausstellen sollte. Mit Malachite Skies präsentieren uns die Newcomer aus Regensburg ihre erste und bereits äußerst gelungene Platte.
Repräsentiert wird das Album durch ein grünes Cover, das ein Pferdeskelett in einer trockenen Einöde vor einer zerklüfteten Berglandschaft zeigt. Für mich ist diese Aufmachung wirklich eine gute Wahl: Schaurig, gespenstig, schlicht und düster, so wie die Musik. Stilistisch platziert sich die Band selbst äußerst treffend bei ‚Melodic Metal’ – zu dunkel, zu hart und rockig für Symphonic Metal, aber mit symphonischen Elementen wie Klavier, Harfe, Männer- und Frauenchöre, Streicher. Eine große Abgrenzung zu diesem Genre erzeugt aber Lisa Rieger, die Sängerin, mit ihrer sehr klaren, hellen Stimme, die im Gegensatz zu den voluminösen, klassischen Symphonic-Stimmen wie harter Kristall wirkt. Klingt gewöhnungsbedürftig und muss man mögen – für mich jedenfalls ist sie eine klare Bereicherung für das Album.
Darüber hinaus fließen an mancher Stelle auch progressive Einflüsse mit ein: An Synthis und experimenteller Rhythmik wurde nicht gespart.
Je länger das Album läuft, desto mehr symphonische Elemente und melodiöse Synthi-Instrumente schleichen sich in die Songs und desto mehr schlägt die düstere, geisterhafte Stimmung in eine hellere, wenn auch übermäßig dunklen Stimmung um. Aus dieser Entwicklung heraus entstehen 2 Abschnitte, in die ich dieses Album einteilen möchte:
Song 1-3 setzen definitiv auf das Motto: Weniger ist mehr. Wir haben hier keine 100-spurigen Kompositionsmonstren sondern ausgeklügelte Kombinationen von wenigen, sorgfältig aufeinander abgestimmten und sehr gut eingesetzten (Instrumenten-) Stimmen. Leider wurde für meinen Geschmack stellenweise zu sehr gespart, sodass einige Abschnitte leer klingen und die Energie der Songs verloren geht.
Disharmonien und verzerrte Hintergrundchöre sind hier häufige Elemente und erzeugen ein bedrückendes, geisterhaftes Gefühl des Verloren-seins. Mir drängt sich gleich zu Anfang die Assoziation zu Danny Elfmans Werken auf (Komponist vieler Tim-Burton-Soundtracks), dieser Eindruck erhärtet sich aber im Verlauf des Albums noch weiter.
Song 4, ‚CCC – Swath Of Destruction’ mit Gastsängerin Liv Kristine (und mein persönlicher Favorit des Albums), schlägt in diese Stimmung wie eine Bombe ein und leitet den nächsten Abschnitt (Song 4-10) ein – meiner Meinung nach geht es hier eigentlich erst richtig los. Deutlich melodiöser, harmonischer, lauter, gefälliger und einfach mit mehr Power und mehr Ausdruck kommt dieser Teil des Albums daher. Die Melodien erzeugen einen sehnsüchtigen und deutlich mitreißenderen Sound. Auch die Ballade ‚Lone Wolf’ erhält diese Kraft problemlos aufrecht, aber insbesondere diesem Song hätte eine live eingespielte Geige unglaublich gut getan – hier macht sich doch bemerkbar, dass wir es mit Newcomern zu tun haben.
‚ICO’ fällt aus dem Album schließlich irgendwie raus – ein seltsamer Mischmasch aus harmonisch – disharmonisch – leise – laut – geisterhaft – rockig, der mir nicht so richtig gefallen und einleuchten will.
Mit gut 8 Minuten Laufzeit beendet der längste Track der Platte, Harvest Neptune das Album. An diesem Song probiert sich insbesondere die Sängerin noch einmal ordentlich aus – leider insbesondere in der Tonhöhe tiefer angesiedelten Bereichen nicht ganz so erfolgreich wie in den Songs zuvor.
Alles in allem ist das Songwriting, für welches zum Großteil Chris Diefenbach (Gitarre und Programmierung) verantwortlich ist, manchmal etwas zu experimentell aber nichtsdestotrotz definitiv besser, als man es sonst von vielen Newcomern gewohnt ist. Die Truppe beherrscht ihre Instrumente, lediglich hapert es manchmal ein wenig an der Rhytmik. Wiedererkennungswert haben sie aber bereits durch Einfallsreichtum und die markante Stimme der Sängerin.
Wölfchen "Die Platte ist mit Sicherheit nicht das letzte Mal im CD-Player gelandet!"
8 / 10 Newcomer Sterne
http://www.humblemetal.de/2015/05/metal-cd-review-hydra-malachite-skies.html