Powermetal.de 12.12.2010 über Aegror:

Brillanter Black-Death-Mix

Die Tage des melodisch-intensiven Black Metals scheinen schon seit längerer Zeit gezählt. Die Szene setzt auf Progression und Verrohung, doch der klassische Ursprung der zweiten Welle europäischer Newcomer ist heutzutage kaum noch angesehen - zumindest nicht auf Seiten der Musiker. Auch AEGROR sind grundsätzlich keine Band, die auf durchweg harmonische Klänge setzt; die Dissonanzen sind ein elementarer Teil des Bandsounds, allerdings werden sie immer wieder durch kurze hymnische Momente ausgehebelt und auf ein Niveau gehievt, welches vor anderthalb Dekaden zweifelsohne zur Speerspitze hätte gezählt werden müssen.

Insofern darf man dem neuen Album "De Morbis" auch eine gewisse Zeitlosigkeit attestieren, denn auch wenn viele Elemente dem späteren 90er-Black Metals zugeschrieben werden müssen - so zum Beispiel der Hang zu todesmetallischen Riff-Attacken - so fahren die vier Musiker einen recht eigenständigen Sound, der vor allem durch die vielen starken Breaks innerhalb der acht Tracks geprägt wird. Vor allem das starke "Yersinia Pestis" zu Beginn des relativ brutalen Reigens schindet mit Melodie, gesunder Aggression und rauer Gitarrenarbeit Eindruck und begeistert von der ersten Sekunde. Allerdings haben AEGROR ihr Pulver damit längst nicht verschossen: "Inner Warfare" geht als schwarz gefärbter Death-Metal-Track unter die Haut, "Last Man Save" wiederum überzeugt mit starker Hookline, und mit dem an GRAVEWORM angelehnten "Plaguebreeder", welches im späteren Verlauf ein paar dezent-progressive Züge annimmt, hat das Quartett bereits eine ultimative, unverkennbare Hymne am Start. Da tröstet man sich nachher auch darüber hinweg, dass mit "The Scourge" ein weniger spektakulärer Song ins Rennen geschickt wird. Denn angesichts der Tatsache, dass AEGROR ihr Debütwerk in Form von "The Creature Inside" regelrecht gewaltig abschließen, will man auf "De Morbis" nicht noch mit Erbsenzählerei beginnen.

Fest steht, dass (teils) melodischer Black Metal schon lange nicht mehr so intensiv dargeboten wurde wie auf diesem Album. Und alleine schon mit diesem Argument bewerben sich AEGROR für all diejenigen, für die dieses Genre schon längst ausgezehrt schien - das ist es nämlich dank solcher Veröffentlichungen noch längst nicht!
Rating: 8,5/10