The Pit 21.01.2011 über Aegror:



So kann es gehen: Da hört man sich das Aegror-Erstlingswerk „De Morbis“ ein halbes Dutzend mal an und hat immernoch keine Ahnung, was man dazu schreiben könnte. Angeblich mischen die Vier epischen Black Metal mit technischem Death Metal. Nun ja, zu ersterem kann man noch halbwegs guten Gewissens nicken, aber mit technischem Death Metal haben die acht Songs, abgesehen von gelegentlichen Gitarrenfrickeleien, nur wenig zu tun. Auch eher schwarzmetallisch sind die Namen, die sich die vier Mitglieder gegeben haben: Gitarrist und Sänger Narthaas, Drummer Mithyr, Bassist Kjartanas (übrigens mein Lieblingsname) und Gitarrist Sethonas bezeichnen sich selbst als „Krankheiten“ und zumindest, was den Gesang angeht, kann man dem größtenteils nur zustimmen – Narthaas kotzt sich durch die acht Tracks, als hätte er weder Bock noch Zeit, sich mit solchen Nichtigkeiten wie der Aufnahme eines Albums auseinanderzusetzen.

Wäre „De Morbis“ nur als Instrumentalplatte aufgenommen worden, hätte man die Bewertung durchaus bei sieben oder acht Punkten ansiedeln können. Durch das Fehlen eines Keyboards wurden eventuelle Kitsch- und/oder Bombastpassagen vermieden, ebenso wie jegliches Kinderkarussellgeplänkel, das uns in den letzten Jahren schon so viele Black-Metal-Scheiben verdorben hat. Beide Gitarristen machen einen großartigen Job, beispielsweise beim rasanten Blastbeat-lastigen „Last Man Sane“, bei dem auch ohne Narthaas grummelndes Organ eine wunderbare Endzeitstimmung hervorbeschworen wird. Die Drums scheppern nicht übermäßig und auch der Bass summt nicht wie ein heiserer Bienenschwarm vor sich hin – alles ist super, könnte man also meinen, aber trotzdem wird man beim Hören irgendwie nicht glücklich.

Wen das einminütige Intro nicht verstört hat, der wundert sich sicherlich auch nicht über den Einstieg zu „Yersinia Pestis“, der ein bisschen wie Nightwish auf Black Metal klingt. Wenn Narthaas erstmal loslegt, klingt seine Stimme extrem fies, aber man kann ihm diese „Ich fresse Babies und quäle kleine Hündchen“-Mentalität nicht so richtig abkaufen. Dabei ziehen die Jungs, allen voran Drummer Mithyr, hier ganz ordentlich vom Leder. Der Schlagwerker könnte nach der ersten Minute des Tracks direkt den Preis als schnellster Drummer einheimsen, wenn er nicht zwischendurch immer wieder durch düstere Passagen unterbrochen würde, die leicht doomige Elemente beinhalten.

Das eingangs bereits erwähnte „Last Man Sane“ überzeugt dann vor allem durch das Zusammenspiel von melodiösen Gitarrenlicks und dem unverständlichen Gekeife von Narthaas, der, das muss man so sagen, hier einen sehr guten Job macht. Auch beim nachfolgenden, fast neun Minuten langen „Plaguebreeder“ zeigt der gute Mann sich stimmlich variabler als noch auf den vorherigen Songs und endlich kommt auch der nötige authentische Schwung mit rüber, aber hundertprozentig glaubt man ihm seine Bösartigkeit immer noch nicht. Der Track klingt wie eine Mischung aus ganze frühen Lifelover (instrumental) und BlackShore (stimmlich), aber obwohl beide Bands inzwischen zu den schwarzmetallischen Favoriten der Verfasserin dieser Zeilen gehören, stimmt die Kombination bei Aegror nicht so richtig. Ob hier zu viel gewollt wurde oder was der sonstige Grund ist, dass die Songs größtenteils nicht richtig zünden, man kann nur spekulieren.

Vielleicht ist das auch ein typischer Fall von Geschmackssache; jedenfalls verschießt auch der Rausschmeißer „The Creature Inside“ sein zugegebenermaßen Old School-Thrash-mäßig recht interessantes Feuer in die weite Welt der Lautsprechermembranen. Was bleibt, ist ein Hörsturz (dreht man den Regler etwas zu weit nach rechts, hauen einem die Drums die Gehörgänge zu Klump) und die Frage, ob Aegror mit der nächsten Platte mehr reißen können. Auch wenn „De Morbis“ nicht zu den großen Würfen des Black Metals gehört, wird man doch irgendwie das Gefühl nicht los, dass die Band bei ihrem nächsten Werk mehr zu bieten haben wird. Bis dahin muss sich das Quartett mit düsteren sechs Punkten zufrieden geben.