metal.de 20.12.2010 über Aegror:



Ohne jegliches Demo oder vorige Bekanntheit lassen AEGROR dieser Tage ihr schlicht mit “De Morbis” betiteltes Erstwerk auf die Hörerschaft los, und geben sich dabei durchweg professionell und reif, was nach dem gerade mal einjährigen Bestehen durchaus zu überraschen vermag. Produktion, Präsentation und Liedgut sind perfekt austariert, und zeugen so von einiger Arbeit, die niemals auf ein derartig junges Alter schließen ließe.

AEGROR haben sich einer Mischung aus Black und Death Metal verschrieben, obschon in meinen Ohren der Todesstahl durchaus die führenden Zügel hält. Stimmlich wie instrumental herrschen meist tiefer gestimmte Klänge, außer vielleicht im sehr melodischen 8-Minüter “Plaguebreeder”. Der Rest ergießt sich in melodischen bis technischem Death Metal, gespickt mit epischen Einschüben, zahlreichen Tempovariationen und Gitarrensoli. Am Schwarzmetall bedient man sich entweder als stimmliches Gegenstück zu den Growls, oder immer dann, wenn es schnell bis rasend vor sich geht, beispielsweise in “Last Man Sane”.

Eben jener Titel zeigt aber auch die Schwäche von “De Morbis” auf: der Titel ist mit seinem frostigen Eingangsriff, dem erhöhtem Tempo, den sehnsüchtig-epischen Melodien und den zweistimmigen Vocals als Highlight des Albums anzusehen – und macht gleichzeitig deutlich, woran es dem restlichen Liedgut noch fehlt. AEGROR versuchen auf der gesamten Länge viel und verzetteln sich dabei leider manchmal in technischem Können oder zuviel Hektik. Wenn sie die Ideen aber wie bei “Last Man Sane” bündeln und in einen klaren Aufbau verpacken können, dann kommt dabei wirklich ein episches Stück heraus, was im Ohr bleibt und mitreißen kann.

So sind die Einflüsse von Titel zu Titel verschieden gewichtet; “Resurrection” geht in brutale Death-Richtung, “Last Man Sane” ist vorrangig Schwarz, “Plaguebreeder” melodisch, “De Morbis” klingt eher progressiv, “The Scourge” erinnert im Anfang sogar stark an NAGELFARs “Protokoll einer Folter” – eine klare Ausrichtung wäre dem Hörfluss hier sehr zuträglich gewesen, so wirkt das Produkt leider ein wenig zerfahren. Es fehlt noch an klarer Linie, aber das kann auch einfach dem noch jungen Alter der Band anzulasten sein. Daher bleibt “De Morbis” – trotz wirklich ansprechender Passagen – auf Albumlänge leider nur im besseren Mittelfeld; aber auf dem nächsten Album könnte da durchaus schon etwas Großes warten.