heavystageforce Mai 2017 über Aegror:

Gerade in unserer heutigen Zeit ist es schwer für Bands, etwas Neues zu formen und einen Klang zu finden, der etwas Eigenständiges bietet. Gefühlt gab es alles schon mehrere Male und jede Band kupfert irgendwie, irgendwo von einer anderen ab. Gerade im Genre des Black Metals etablieren sich immer öfter Bands mit gleichbleibenden, stupiden Rhythmen. Dann ist es immer wieder schön, dass sich Bands wie Aegror an etwas Neues wagen, um diesem Trott melodiös zu entgehen. Mit ihrem zweiten Full-Length-Album Dead Man’s Diary gibt die Formation aus Geldern richtig Gas.
Das Album beginnt mit einem ungewohnten Instrumentaltrack. Im Hintergrund ist ein Sturm zu hören, dann Fußstapfen sowie Autos und Sirenen. Das Ganze bietet ein entsprechendes Endzeitflair und erinnert mich sehr an Filme einer Zombie-Apokalypse. Zu guter Letzt wird das Szenario von Gitarren untermalt, die sich melodiös zum Beginn des zweiten Tracks Oath of Allegiance wandeln. Nun drücken sich starke Blastbeats durch die Boxen und als dann das Growling von Sänger Naarthas beginnt, merkt man, dass die Band weiß was sie tut. Der Gesang selbst wirkt stark, roh und hart, ist aber sehr gut verständlich und wirkt gar nicht abgedroschen. Dann hämmert ein Stahlgewitter herab und die Gitarren fetzen sich durch den Track Killing Machine. Das leicht Doom Metal angehauchte Stück drückt sich so nach vorne, dass man quasi spüren kann, wie die Kriegsmaschinen den Boden zum Beben bringen.
Mit Path Of Blood And Bones gibt Aegror nun eine richtige Nackenbrechernummer zum Besten. Der schleppende Song mit brutalen Gitarrenriffs erinnert mich jedoch stark an die Band BlackShore. Hier wird kein Stein auf dem anderen gelassen, bis das Ganze musikalisch abklingt und mit dem darauffolgenden War-Torn einen ruhigen Instrumentaltrack mit sanften Gitarren bietet, den man so nicht erwartet hätte, da das Gesamtwerk bis jetzt sehr brutal wirkte. Im Anschluss daran wird es wieder düster und schleppend. Diary Of A Broken Man bietet eine sehr tief drückende Black-Metal-Nummer, die sich zum Ende hin von einer sehr rabiaten Seite zeigt und einiges an Überraschungen bietet. Abgelöst wird der Song von den avantgardistischen Klängen von Dream Of Utopia. Ein eher ruhiger Song, der durch seine kraftvolle, aber auch progressive Art, besonders gut wirkt. Besondere musikalische Untermalung gibt es bei Dazing Vortex. Das melodische Stück besticht durch das etwas fremd wirkende Gitarrensolo. Roher geht es nun wieder bei My Sleeps Embrace zur Sache. Ich würde sogar sagen, der Song ist musikalisch gesehen der brutalste der Platte und wirkt durch die tiefen Riffs schon fast dem Satanic Black Metal ähnlich.
Mit dem zehnten Track der CD Dream, Light, Fear, Hope geht wieder ein avantgardisch wirkendes Stück einher. So wirkt der Track in seiner Gesamtheit auch sehr mystisch, was durch die ruhige Spracheinlage nochmal unterstützt wird, während die Nummer zum Ende nochmal richtig an Fahrt gewinnt. Hart geht es weiter mit zusätzlichen geschwungenen Gitarrenriffs. Home of Plagues geht nun eher wieder in die harte Black-Metal-Schiene und erzielt eine leicht groteske Wirkung beim Hörer. Der Sound wird dann im letzten Track durch die sanften Klänge von Post War Awakening abgelöst, der vor allem durch die instrumentalen Parts begeistert.
Schon lange habe ich kein so abwechslungsreiches Black-Metal-Album gehört und ich behaupte, dass es auf der Platte für jeden Fan des Genres minimal einen Track gibt, den er mag. Aegror hat sich mir als eine starke und facettenreiche Band gezeigt, bei der man nur hoffen kann, dass sie ihrem Stil treu bleiben. Von dieser Band können sogar große Bands noch etwas lernen.